Demokratie lebt von Engagement

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00:00:03: Systemrelevant, Fakten für eine demokratische und nachhaltige Wirtschaft.

00:00:29: Du bist Direktorin des WSI, dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hansböckler Stiftung.

00:00:35: Und ebenfalls wird dabei Yvonne Lott.

00:00:37: Hallo Yvon!

00:00:39: Du bist die Leiterin des Referats Geschlechterforschung am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut, also dem WSI an der Hansböckler Stiftung.

00:00:46: Und an unsere Hörerinnen und Hörervorwecken wie immer der Hinweis das ihr uns erreichen könnt per e-mail ansystemrelevantatböcker.de.

00:00:52: Also Hinweise, Korrekturen, Unmut und Anregungen bitte dahin.

00:00:55: in den Schonholz findet ihr die Liste der sozialen Netzwerke sowie unseren weiteren Podcasts.

00:01:00: Der Rahmen wir zwei und wir freuen es natürlich wenn ihr uns in einem Podcatcher-Aruval abonniert und somit keine Folge verpasst!

00:01:06: Die Demokratie retten indem wir ihr Zeit geben, also wenn ich das so formuliere dann kann man glaube ich intuitiv auf ganz vielen Ebenen ansetzen.

00:01:16: Unser heutiger Ausgangspunkt ist aber Bettina Das Ansinnen der Politik die tägliche höchst Arbeitszeit abzuschaffen und auch sonst am Gesamtwerk Arbeitszeit rum zu doktoren im Regelfall nicht zum Vorteil der Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer.

00:01:31: was ist denn da schon wieder los?

00:01:33: Ja, also wir erleben ja irgendwie sehr lange eine Debatte über Arbeitszeiten und auch über das permanente Ansinnen oder die permanente Formulierung von seiner Politik aber auch der Arbeitgeber dass mehr gearbeitet werden müsse.

00:01:46: Das ist aus verschiedenen Gründen problematisch.

00:01:49: zum einen, weil es einfach nur auf Erwerbsarbeit guckt und die Sorge aber nicht mit im Blick hat.

00:01:54: Wir haben oft darauf hingewiesen dass gerade unter Vereinbarkeitsgesichtspunkten also Vereinbarkeit von Familie und Beruf das hoch problematisch ist und das besonders problematische ist für Frauen Ausgesprochen spannend, dass wir jetzt bzw.

00:02:09: vor allen Dingen auch nie wonnen.

00:02:10: Ich habe aber auch noch andere Perspektiven im Blick genommen hat nämlich die Frage was bedeutet das eigentlich für unsere Demokratie?

00:02:17: denn auch wenn man sich politisch engagiert oder für die Demokratie Zeit nimmt um sich zu engagieren braucht man immer auch Zeit Demokratie Brauchzeit und das ist einerseits sehr naheliegend auf der anderen Seite spielt es in der Debatte überhaupt keine Rolle und das in einer Zeit, in der die Demokratie massiv unter Druck steht.

00:02:34: Viel darüber besorgt berichtet wird oder viele Leute sich auch Sorgen machen, dass der soziale Zusammenhalt zerbricht.

00:02:41: Und vor diesem Hintergrund finde ich es spannend, dass sich immer noch einfach mal empirisch angeguckt hat wie ist eigentlich der Zusammenhang zwischen Zeit im Menschenhaben und politischen Engagement?

00:02:51: Wir haben uns das mit der Zeitverwendungserhebung, mit der aktuellen angeschaut und da wird immer wirklich täglich also in zehn Minuten Takt erfasst.

00:02:58: Was machen eigentlich die Menschen an diesem Tag?

00:03:01: An dem sie dieses Tagebuch ausfüllen?

00:03:03: Und was wir gefunden haben ist dass das soziale und politische Engagement gerade dann gering ist wenn die Beschäftigten sehr lange Arbeitstage haben Also bei Arbeitstagen ab acht Komma fünf Stunden engagieren sich weniger als sechs Prozent an dem Tag ehrenamtlich.

00:03:20: Bei fünfundfünfzig Stunden und weniger sind es immerhin fünfzehn Prozent, also ein Drittel weniger Engagements bei den längeren Arbeitstagen.

00:03:30: Und das ist nicht nur die Länge der Arbeitstage.

00:03:33: Also wie lange, wie viele Stunden arbeite ich am Tag?

00:03:35: Es ist auch tatsächlich ... Kann ich über die Lage meiner Arbeitszeit mitbestimmen?

00:03:41: irgendwie früher Feierabend machen später anfangen, was auch immer.

00:03:44: Und da sehen wir das die, die selber bei der Lage der Arbeitszeit bestimmen können sich zu dreizehn Prozent sozial und politisch engagieren gegenüber nur neun Prozent, die wirklich feste Arbeitszeiten haben, die zum Beispiel einen Arbeitstag von nine to five haben und da können sie nichts daran rütteln.

00:04:00: also Wir sehen dass Arbeitszeitpolitik und wie gearbeitet wird direkt im Zusammenhang steht damit Wie stark sich ihren Amtlich engagiert wird.

00:04:10: Und ehrenamtlich bedeutet dann ja nicht zwangsweise politisch, oder?

00:04:15: Genau, das ist uns ganz wichtig.

00:04:16: Dass wir jetzt nicht nur fokussieren auf jetzt das klassische Ehrenamt und da dann vielleicht auch nur das Ehrenamband meinwegen in Parteien oder bei politischen Verbänden.

00:04:27: Wir haben wirklich sehr breit auf das Ehrengangagement gucken.

00:04:30: Haben aus soziales Engagement mit reingenommen.

00:04:33: Das ist der Nachbarschaftshilfe.

00:04:35: Ich helfe irgendwie anderen Haushalten Bei irgendwelchen Tätigkeiten Nicht engagiere mich bei der Elterninitiative In der Schule Weil wir argumentieren all das ist wichtig für Gesellschaft.

00:04:45: Das ist wichtig, dass Gesellschaft funktioniert für den sozialen Zusammenhalt, dem Bettina ja auch schon genannt hat und dann eben damit ja auch für Demokratie weil ich ja an vielen Orten nicht nur jetzt in klassischen Parteien ja auch Demokratie erleben kann und damit einfach da wo ich einen stärkeren sozialen zusammenhang erlebe dann auch wieder stärker eingebunden bin und mich dann auch stärker engagiere oder auch verantwortlich fühle für das, was passiert im Land oder mehr.

00:05:12: in so einer Situation bin zu sagen okay ich kann da auch etwas ändern und ich kann was machen.

00:05:17: Und mein Tun hat einen gewissen Sinn also eigentlich genau das Gegenteil von einem Rückzug aus der Gesellschaft.

00:05:23: Das waren so zwei große Ergebnisse, die wir hatten.

00:05:26: Einmal der Punkt mit der Länge der Arbeitszeiten und inwieweit kann ich über die Arbeitzeit selbst bestimmen?

00:05:32: Über die Arbeitszeitlage?

00:05:33: was wir auch gefunden haben ist dass wir Variationen haben auch nach Altersgruppen also gerade die die in so einer mittleren Lebensphase sind Also in der Lebensphase die wir oft Rush Hour auf Live nennen.

00:05:47: Die Rush Hour des Lebens wo grade die berufliche Entwicklung Gerade da, dass Engagement gering ist und vor allen Dingen eben auch da wo Kinder im Haushalt sind.

00:05:58: Und dann vor allem bei Müttern also das gerade Mütter weniger Zeit haben sich zu engagieren.

00:06:06: Wir hatten uns das schon mal vor ein paar Jahren mit nochmal anderen Daten des WSI-Projekts Soziale Lebenslagen und demokratische Integration angeschaut.

00:06:14: Da haben wir gefunden, dass es die Mütters nicht die Zeit haben diese sich wünschen für soziales und politisches.

00:06:21: Engagement.

00:06:22: Also wir haben da eben auch nochmal so eine Schieflage, dass Frauen da weniger zum Zuge kommen und vor allem eben die Mütter.

00:06:32: Das bedeutet, sie würden sich wünschen, dass sie sich mehr für etwas engagieren könnten, sei es in der Politik oder im Kindergarten irgendwie was aushelfen oder bei Sportfeste organisieren – alles sowas, was man dann gesellschaftliches Engagement nennt und haben aber dafür nicht ausreichend Zeit in ihrer Wahrnehmung.

00:06:51: Ganz genau, also weil die Daten der Zeitverwendungserhebungen liefern uns erstmal nur Informationen.

00:06:56: Gibt es das Engagement und in welchem Umfang wird sich engagiert?

00:07:00: Aber wir wissen natürlich jetzt nicht wie sind jetzt die Präferenzen der Menschen wollen, die sich überhaupt engagieren.

00:07:06: Und dass haben wir ein bisschen mit dem Lebenslagetrojekt vom WSI abdecken können, dass wir zeigen konnten okay selbst da wo mehr gewünscht ist einfach nicht mehr an Engagement oder Zeit für Engagement drin.

00:07:18: Das finde ich auch noch mal ganz Ganz wichtiger.

00:07:21: Befund.

00:07:22: Was ich wichtig finde, bei denen befunden oder wenn wir uns jetzt auch überhaupt die Frage stellen wer hat eigentlich Zeit für Engagement?

00:07:29: Es ist natürlich wichtig im Hinblick auf Demokratie.

00:07:32: also wer hat Zeit für Demokratie?

00:07:34: es ist aber auch gerade wenn wir nochmal auf die Geschlechterunterschiede schauen einfach auch noch mal die Frage Wer kann eigentlich politisch teilhaben?

00:07:42: Also wenn wir zum Beispiel zu Kenntnis nehmen dass zb der Weg in den Bundestag als Abgeordnete führt eben oder fängt an mit dem ehrenamtlichen Engagement in der Kommunalpolitik.

00:07:56: Und wenn ich aber keine Zeit aufgrund von Kind und Kegel habe, jetzt mich kommunalpolitisch zu engagieren dann hab' ich eben am Ende auch weniger Repräsentation dann oder hab' da weniger Chance im Bundestag dann zu landen.

00:08:10: also es geht natürlich um Demokratie auf jeden Fall.

00:08:13: Es geht aber auch eben um die gleichberechtigte politische Teilhabe und da muss einfach Sorge getragen werden, dass die, die eben auch gegeben ist.

00:08:23: Das finde ich auch noch mal so ein ganz wichtigen Punkt weil wir ja bei unserer ganzen Forschung zur Entstehung von antidemokratischen Einstellungen

00:08:31: usw.,

00:08:32: immer wieder auch sehen das gesellschaftliche Teilhaube und das Gefühl Teil der Gesellschaft zu sein, also soziologisch soziale Integration, dass das ein ganz zentraler Punkt ist Und für die Entstehung antidemokratischer Einstellungen oder Festigung demokratischer Einstellung, wenn man das Gefühl hat und wenn man es nicht hat eben umgekehrt.

00:08:52: Das Interessante ist wir denken ja ganz oft dann so an materielle Teilhabe aber die demokratische Teilhube, dass Gefühl gehört zu werden mitgestalten zu können auch Selbstwirksamkeit zu erleben.

00:09:02: damit verbindet sich auch gesellschaftspolitisches Engagement.

00:09:05: Das spielt halt genauso eine große Rolle.

00:09:07: Wenn aufgrund bestimmter Zeitregime bestimmte Gruppen davon ausgeschlossen sind, Aber es macht halt auch noch mal was mit der Wahrnehmung.

00:09:16: Und ich könnte mir auch vorstellen, dass natürlich ganz konkret wenn man irgendwie... Ich nehme jetzt mal eine Bürgerinitiative zur Gestaltung irgendeines Platzes oder so.

00:09:27: Also das macht ja auch einen Unterschied wer da die Zeit hat zu entscheiden wie er gestaltet wird weil dann ja auch die Bedürfnisse da einfließen wie man irgendwie im Sportverein oder was auch immer, so dass da es da wirklich am Ende um gesellschaftliche Sichtbarkeit wird und natürlich die Wirksamkeit von Interessen.

00:09:44: Weil sie werden ja nicht nur da wirksam wo Leute für einen Parlament entscheiden sondern genau auch da wo Menschen tagtäglich diese Gesellschaft gestalten.

00:09:52: und deshalb finde ich diesen Ausschluss auf verschiedenen Ebenen hochproblematisch und zeigt aber auch nochmal, wie knapp die Zeitressourcen von Menschen sind.

00:10:00: Und wie sehr wir als Gesellschaft aber auch auf gute Zeit-Ressourcen angewiesen sind?

00:10:05: Ich finde man sieht doch so ein bisschen dass ich hier so dieses politische wie auch gesellschaftliche so ein bissel mischt weil gesellschaftlicher Teilhabe ist ja im Grunde genauso wichtig wie dann am Ende auch die politischen Teilhaben wenn über diese Aushandlungsprozesse also auch die indirekten die du gerade angesprochen hast reden.

00:10:21: Ja ich war vorgestern beim Gleichstellungstag, der Bundesstiftung Gleichstellung.

00:10:26: Und da ging es auch so um Zeitwohlstand und das ging darum... Das hatte auch im Druge ganz stark gemacht wie definiert man einen Wohlstand?

00:10:34: Ich finde es wirklich zentral.

00:10:36: und eben nicht nur für die Menschen und ich weil sie irgendwie faul sind oder weil sie gerne rumhängen und nicht arbeiten wollen sondern als Gesellschaft ist die Frage von Zeitwollstand Genau so wichtig, Gesellschaften.

00:10:50: Und ich finde das zeigt dieser Befund können sich eben auch nur entwickeln oder sind auch wenn sie sich modernisieren wollen und wenn Sie sozusagen alle Menschen mit reinnehmen wollen dann ist die Frage wie viel Zeitwohlstand haben Menschen eigentlich?

00:11:03: Was ja bedeutet, wie viele Zeit haben Sie?

00:11:05: aber zum Beispiel auch wie souverän können Sie über diese Zeit entscheiden?

00:11:08: eine Voraussetzung damit Gesellschaften funktionieren können, weil Demokratie lebt halt vor Mitmachen.

00:11:13: und wenn Menschen zwar theoretisch das Recht haben aber nicht mehr die Ressourcen, die Zeitressourcen.

00:11:20: Weil sie entweder schlicht die Zeit nicht haben oder weil Sie so viel arbeiten dass sie auch zu erschafft sind und sich dann halt in ihrer freien Zeit wirklich einfach nur noch erholen können Dann verliert die Gesellschaft eben auch als Ganzes Und ich glaube Das ist was was wirklich überhaupt keine Rolle spielt bei der aktuellen Debatte.

00:11:35: und ein riesen Problem ist Alles, was passiert eigentlich nur noch den Zeitregime von Erwerbsarbeit unter Ordnen in dieser Gesellschaft.

00:11:44: Da geht aber auch sehr viel kaputt und sehr viel verloren!

00:11:46: Und dann können sich am Ende einfach nur die politische Teilhabe leisten oder eben Mitgestaltung, die dann in der glücklichen Lage sind nicht so viel arbeiten zu müssen.

00:11:56: Weil sie vielleicht sehr vermögend sind keine Kinder haben und diesen Zeitwohlstand haben.

00:12:02: Also es sollte ja nicht eine Frage der Zeit eigentlich sein ob ich Demokratie mitgestalten kann und ob ich politisch teilhaben kann?

00:12:09: Es ist aber schon so wenn ich den Umkehrschluss daraus ziehen würde aus dem was wir jetzt gerade besprochen haben Wenn ich meinen Zeitbedürfnis nicht erfüllt sehe, dann würde ich ja unzufrieden werden.

00:12:22: Oder?

00:12:23: Genau, so eine Frustration.

00:12:25: Also das haben wir natürlich jetzt nicht untersucht.

00:12:27: was hat es für Folgen wenn ich jetzt nicht die Zeit habe, die ich mir eigentlich wünsche jetzt für Engagement soziales und politisches ist wäre auf jeden Fall ne spannende Frage.

00:12:37: aber Ich würde auch denken dass eben gerade dieses Gefühl von ich kann nicht so tun wie ich eigentlich gerne möchte ich kann mich mitgestalten Wie ich's gerne möchte sicherlich zur frustration führen kann wird aber sicherlich auch überlappt so eine Erschöpfung, die ja ganz oft dann auch die Menschen dann empfinden.

00:12:57: Also gerade die, die eben in dieser Rush Hour auf Live sind oder halt andere irgendwie die kranke Mutter pflegen oder was auch immer tun, dann einfach auch diese Erschöffungen einfach jeden Tag da mit sich rumtragen und der Erschäpfung ist natürlich da auch ein totales Hemmnis um sich dann eben zu engagieren Struggle den Tag überhaupt irgendwie über die Bühne zu kriegen.

00:13:20: Und das ist eben meine Befürchtung, dass wenn es tatsächlich jetzt an dieser Arbeitszeit Schraube gedreht wird und alle noch mal eine Schippe drauf legen müssen und die Frauen sowieso ganz schlimm weil die arbeiten ja in Teilzeit wir können sie nur und die müssen ja eigentlich auch mehr im Job arbeiten dann wird die Erschöpfung nur noch zunehmen und dann wird das Engagement sich eventuell noch verringern oder da, wo es gebraucht wird.

00:13:43: Und dann gucke ich auch auf Ostdeutschland.

00:13:46: Das denke ich immer so wie wichtig sind gerade jetzt in den Bundesländern, wo die AfD so stark ist?

00:13:52: Wie wichtig sind da so zivilgesellschaftliche Akteuren und Akteure Leute, die echt vor Ort was reißen, die weiter am Ball bleiben sich nicht anmutigen lassen und dafür auch die Zeit haben das zu tun.

00:14:02: Und das ist grade so wichtig um eben auch der AfD auch etwas entgegenzusetzen politischen Bestrebungen.

00:14:11: Und das bekümmert mich einfach sehr, muss ich ganz ehrlich sagen und erscheint die Politik irgendwie auf beiden Augen blind zu sein ist.

00:14:18: Ich finde es wirklich unglaublich dass da noch keine Idee gekommen zu sein scheint oder es auf jeden Fall kein Gehör in der Politik findet.

00:14:25: Irgendwie so ist es wirklich eine gute Sache wie wir gerade arbeitsmarktpolitisch vorgehen?

00:14:31: Was für Probleme handeln wir uns damit eigentlich ein?

00:14:34: Zumal man ja auch sagen muss das Ganz viel was ehrenamtlich passiert auch passiert, weil es anders nicht organisiert wird.

00:14:42: Zum Beispiel die Betreuung und Integrationshilfen für Geflüchtete.

00:14:47: Das ohne ehrenamtliches Engagement ja?

00:14:50: Auch Deutschkurs usw.

00:14:51: Ich meine wenn man weder die finanziellen Rhetorien zur Verfügung stellt als Staat noch irgendwie... sogar den Menschen die zeitlichen Ressourcen, dass sie das zum Teil übernehmen können.

00:15:02: Weil es ihnen eben wichtig ist dann wird es irgendwann eben wirklich problematisch weil eine Gesellschaft eben nicht funktioniert ohne dass man sich umeinander kümmert und es braucht eben Zeit.

00:15:12: und insofern war es ja ehrenamtliches Engagement auch irgendwie eine Form.

00:15:16: also ich sage manchmal es ist so eine Art von Kehrarbeit aber für die Gesellschaft sozusagen und wenn man sich aber anguckt wie generell diese Kehrarbeit und sich um einander kümmern wir wenig Wertschätzung erlebt hat.

00:15:28: Auch in den letzten Jahren ist es irgendwie auch plausibel, dass man dieses politisches Engagement zwar irgendwie gerne hat weil wie gesagt da werden ja auch teilweise Dinge aufgefangen wo man schon fragen könnte.

00:15:38: Ist das nicht eigentlich auch ein staatlicher Verantwortung sich zum Beispiel um die Integration von Geflüchteten zu kümmern?

00:15:43: Aber man offensichtlich nicht bereit ist die Ressourcen dafür zur Verfügung zu stellen und dass die ressourcen eben nicht nur Geld sondern auch Zeit sind?

00:15:52: das scheint überhaupt nicht präsent zu sein in den Köpfen Und das finde ich auch im höchsten Maße bedenklich und ich find's auch ignorant, weil es natürlich auch so eine Botschaft ist an die dies machen.

00:16:01: Das ist eigentlich nicht gewolltes.

00:16:03: Wenn man sich fragt was man politisch machen kann ist natürlich zu sagen ja also hat Yvonne auch schon gesagt Die geplantene Änderung zur Arbeitszeit sind in natürlich absolut schädlich und gehen in die falsche Richtung wenn man sich diese Befunde anguckt.

00:16:16: Aber sag mal die Frage Was können wir machen?

00:16:19: Was können vielleicht auch Betriebe machen?

00:16:20: und in diesem Zusammenhang möchte Ich darauf hinweisen dass bei dem Entwurf Transböckler Stiftung für ein Neues Betriebsverfassungsgesetz auch drin stand, den Beschäftigten Zeit für Demokratie während der Arbeitszeit zur Verfügung zu stellen.

00:16:35: Und tatsächlich machen das ja manche Betriebe, dass sie auch für Ehrenamt ihre Beschäftigte also nicht komplett freistell natürlich aber denen sozusagen Teil der Zeit als Arbeitszeit zahlen.

00:16:46: Und das finde ich auch so gerade im Osten jetzt, wo ja auch ganz viele fragen was kann ich jetzt tun?

00:16:52: Kann ich sagen an alle Betriebe in Sachsen-Anhalt die sich fragen, was kann Ich jetzt tun.

00:16:57: Ja sagt euren Beschäftigten doch wenn ihr euch für die Demokratie engagiert dann könnt ihr ein Teil davon als Arbeit Zeit abrechnen weil uns ist es wichtig und wir unterstützen das.

00:17:06: Das wäre mal ein ganz konkreter Vorschlag wie sich auch Betriebeln dieser Situation positionieren könnten oder dass auch Betrieb machen könnten.

00:17:14: Bettina würde ich zu viel reininterpretieren, wenn ich feststelle das wäre ein ähnliches Ergebnis.

00:17:20: Schon mal hatten während der Corona-Zeit dass wir da eine sehr starke Unzufriedenheit bei Müttern gesehen haben die ja auch auf diesen Faktzeitverteilung unter anderem Brute unter andurch fehlende Beihilfen und so weiter.

00:17:34: also scheint sich ja auch hier wieder so eine gewisse Konstanz dann durchzusetzen dass es eben doch immer wieder die Mütter trifft.

00:17:42: Ich glaube, die trifft es halt am härtesten.

00:17:45: Weil eine Ressource, die eben sehr ungerecht verteilt ist zwischen den Geschlechtern, ist neben Geld auch Zeit und das trifft Mütter besonders hart.

00:17:55: Und darüber wird einfach sehr wenig geredet und ich glaube diese Missachtung... führt eben auch zu viel Frust.

00:18:03: Ich finde, dass diese Politik, diese Arbeitszeitepolitik ein Ausdruck der Missachtung ist gerade natürlich der von Frauen geleisteten Arbeit aber auch eben wie die Studien zeigt, Missachtungen vom gesellschaftlichen Engagement und tatsächlich war es ja auch so.

00:18:18: also das jetzt natürlich kein Kausala Zusammenhang aber ist vielleicht ein Puzzle um die Lage zu verstehen dass in Sachsen-Anhalt die AfD auch unter Frauen die stärkste Kraft war.

00:18:29: Und das war, glaube ich vorher in Thuring noch mal so aber sonst eigentlich nicht.

00:18:33: also meistens waren haben Frauen nicht überwiegend AfD gewählt und das ändert sich auch gerade und ich glaube schon, dass da auch frustmobilisiert wird der unter anderem eben auch resultiert aber natürlich nicht nur aus diesen Zeitregimen

00:18:48: Genau, nicht nur.

00:18:49: Also ich meine jetzt selber auch als Mutter... Ich bin ja auch mega frustriert wenn ich den Koalitionsvertrag lese und ich denke so war es!

00:18:56: So mehr ist da nicht drin.

00:18:57: und wo unterstützt ihr eigentlich die Eltern?

00:18:59: Und wer hat uns heute Morgen erst wieder kam irgendwie um sieben Uhr.

00:19:02: die Nachricht könnt ihr heute zu Hause betreuen weil Personalmange in der Kita und ich habe dann noch mehr zum Ohr der dann irgendwie sagt ihr müsst alle länger arbeiten wo ich dann denke also ich mein ich würde jetzt nicht das Kreuz bei der AfD deswegen machen.

00:19:14: aber ich erlebe auch

00:19:16: schon eine

00:19:16: gewisse Frustration, wo ich mir denke Hallo liebe Politik das kann noch nicht sein.

00:19:20: Wie könnt ihr denn so an den Lebensrealitäten der Menschen irgendwie vorbei sprechen und eben gerade dann sind natürlich die Mutter betroffen weil wie du es gesagt hast Bettina sind das halt die die da am Wohlenrabelzen sind?

00:19:31: Weil sie halt einfach dann eben unbezahlt einfach mehr weg schaffen als die Männer und halt die Verantwortlichen sind.

00:19:38: Also die gute Nachricht ist vielleicht, dass Jens Spahn vielleicht gerade so eine erste Erkenntnis hat und wenn er dann irgendwann in der Politik wieder was tun darf.

00:19:45: Dann vielleicht doch mal Hand anlegt an die richtigen Themen.

00:19:48: Ich will das jetzt nicht werten aber ich fand es in dem Sinne doch sehr interessant, dass es ihn dann eben auf dieser Ebene erwischt hat, die man ja dann doch eben als sehr weltlich betrachten könnte.

00:19:58: Ja, vielleicht.

00:19:59: Aber dann kommt halt so ein Linnemann an und macht als Erste Amtshandlung die Kinderkranktage streichend.

00:20:06: Wo ich mir denke also was habt ihr damit wirklich wirtschaftlich gewonnen?

00:20:10: Aber was für einen Signal wird denn da mit gesendet?

00:20:14: Und da scheint die Politik null Sensibilität zu haben wie das bei den Menschen wirklich ankommt!

00:20:21: Da hat glaube ich ganz ehrlich die AfD echten Riecher für dass sie einfach da gute Sensoren hat in welche Kerbe sie da schlagen muss, um dann eben genau diese Gefühle, diese Frustration oder dieses So-What das kann doch jetzt wohl nicht wahr sein am anzusprechen und abzugreifen.

00:20:37: So zum Ende hin, eine der größten Beschwerden der Aussies ist ja dass die Gesellschaft quasi jeder nur noch für sich und das wir überhaupt nicht mehr gemeinsam haben.

00:20:47: Und man hat halt keine Gesellschaft im Sinne von Gesellschaft mehr.

00:20:50: Wenn man so früher in der DDR hat wurde es etwas enger war als jetzt.

00:20:54: Das zu schaffen kann man ja heutzutage nicht über ein Staat mehr regeln sondern das kann ja nur über zivilgesellschaftliches Engagement entstehen Und dafür braucht man dann eben wieder Zeit.

00:21:03: Wir wissen aber, dass gerade im Osten Gewerkschaften jetzt auch nicht so stark ausgeprägt sind die Arbeitsverhältnisse gelegentlich auch nicht doller.

00:21:11: also da ist ein gewisser Druck da und das eben das dadurch auch schwerer möglich ist umzusetzen.

00:21:18: Da könnte man ja schon argumentieren, dass dieses Thema mit dem wir uns hier beschäftigen, da vielleicht dann auch einer der Faktoren ist, die dazu führen, dass man da gewisse Frustelemente sieht

00:21:29: weil einfach da die Zeit knapper ist.

00:21:32: Oder generell nicht da, ne?

00:21:34: Also da muss ich jetzt wieder sagen wir haben keinen Ost-Westvergleich mann.

00:21:37: also wir haben uns das empirisch nicht angeschaut.

00:21:39: ob das jetzt im Osten nochmal anders gelagert ist als im Westen

00:21:43: Es wäre aber mal ganz spannend

00:21:45: Das wäre spannend, Bettina genau.

00:21:47: Also das Gute ist ja auch immer dass aus solchen Formaten ich nehme da auch immer was mit raus und habe weitere Ideen für weitere Forschung.

00:21:53: Das wäre tatsächlich interessant.

00:21:55: aber wir werden jetzt sicherlich nicht mit dieser einen kleinen Stellschraube Zeit für Engagement jetzt nicht erklären können Was da gerade also was vor allen Dingen Ostdeutschen abgeht.

00:22:04: Ich meine das macht Steffen Mao.

00:22:06: Da gibt es andere die sind da sehr viel mehr drin.

00:22:10: Aber es kann natürlich ein Baustein sein wirklich für Ost-West noch mal anzuschauen und zu gucken, ob da die Zusammenhänge nochmal anders sind oder einfach auch die Prävalenz von zu wenig Zeit haben.

00:22:23: Oder halt ein geringeres Engagement gerade im Osten groß ist?

00:22:28: Wenn man jetzt mal sagt Menschen verfügen über unterschiedlich viel Zeitwohlstand Auch wenn das natürlich jetzt noch kein empirisch ganz sauber gefasster Begriff ist Einfach entlang der Frage, ob sie ausreichend Zeit haben oder nicht inwieweit sowas mit Selbstwirksamkeit und so zusammenhängt, also ein Gefühl von sozialer Anerkennung.

00:22:49: Es ist ja immer so... Also man kann einen Phänomen wie die AfD jetzt sich mit einem kausalen Zusammenhang beschreiben.

00:22:56: das wäre einfach unterkomplexer.

00:22:57: aber ich glaube dass diese Frage wer hat eigentlich viel Zeit für politisches Engagement?

00:23:03: Ein Puzzleteil!

00:23:04: Ist in dieser ganzen Debatte und im Bild.

00:23:07: Und Ich bin echt froh, dass ihr das hinzugefügt habt weil tatsächlich hat das sonst kaum einer auf den Zettel.

00:23:13: Und das ist schon erstaunlich, weil es ja irgendwie auch logisch ist dass es Zeit kostet sich gesellschaftspolitisch zu engagieren und eine Gesellschaft ist ja auch tatsächlich erwartet.

00:23:23: Ja, also wir fanden es auch ganz erstaunlich.

00:23:26: Aber ich glaube das ist wirklich noch nicht überall angekommen ist.

00:23:29: was wird das wirklich bedeuten und was bedeutet dass dann wirklich auch für die Ehrenämter die gebraucht werden?

00:23:35: Für die sich halt dann eben auch sozial engagieren in irgendwelchen Vereinen etc.

00:23:41: Also wir hoffen mal... Das ist ja auch noch nicht klar was jetzt wirklich vom BMRS kommt in Richtung Arbeitszeitgesetz so vielleicht kommt es ja doch nicht keine Ahnung.

00:23:51: wir müssen abwarten.

00:23:52: Ja, weil das ist glaube ich auch irgendwie viel nicht klar.

00:23:55: Weil die Leute, die darüber berichten – es haben wir hier auch schon öfter diskutiert – Journalistinnen und so weiter wenn die über fragmentierte Arbeitstage reden, die sicherlich ihre Lebensrealität sind und ihnen viel ermöglichen reden, aber über ein absolut hohes Maß an Zeitsoberinität Und das haben aber die meisten Leute nicht.

00:24:15: Dann kann man ja auch nicht mehr zusagen, ich gebe jetzt hier Deutschunterricht für geflüchtete Kinder

00:24:20: weil

00:24:20: man einfach nicht weiß ob man nächsten Donnerstagzeit hat oder ob man verbindlichen halbes Jahr Donnerstags von sechszehn bis achtzehn Uhr Zeit hat.

00:24:28: Und das ist die Realität ganz vieler Leute und das scheint tatsächlich glaube ich niemand realisiert zu haben, weil dass eben auch nicht die Realitäten der Menschen sind, die viel arbeiten vielleicht noch fragmentiert arbeiten aber eben dabei doch in gewisser Weise privilegiert sind.

00:24:45: Weil das sind die anderen Menschen nämlich nicht.

00:24:47: für sie bedeutet das ein totalen Verlust von Planbarkeit und es macht auch ehrenamtliches Engagement unmöglich.

00:24:54: Und das ist ja auch wieder eine Frage der Repräsentation, also da sind wir auch wieder bei unserem Kommentar.

00:24:59: Also wer entscheidet eigentlich mit?

00:25:01: Wer sitzt eigentlich im Bundestag?

00:25:03: und das sind dann ganz oft ich meine die der Arbeitnehmeranteil hat unter dem Bundestagsabgeordneten sukzessive abgenommen.

00:25:10: Die können halt sehr autonom arbeiten haben Kontrolle.

00:25:13: Die haben natürlich auch viele Zwänge ist klar aber die haben eine gewisse Form der Selbstbestimmung.

00:25:17: und dann sitzen sie da sich habe ja auch teilweise auch im Bundestage beraten und dann sagen diese ich kommt total gut So mit meinen Arbeitszeiten klar, da können doch alle so arbeiten.

00:25:26: Wo ich dann immer denke, naja aber hast du jetzt gerade die Krankbeschwester und den Pfleger im Kopf?

00:25:30: Und die Reinigungskraft so nein?

00:25:32: Hast du nicht?

00:25:33: Aber für die muss ja auch Politik gemacht werden!

00:25:35: Das ist ein Problem.

00:25:36: und das ist auch ein Problem wenn dann halt wenig Eltern und wenig Mütter repräsentiert sind und eben mitentscheiden weil halt diese Lebensrealitäten natürlich nicht einfließen und dann so eine Linne man sagt auch nur fünfzehn Stunden.

00:25:47: nehmen wir jetzt weg.

00:25:48: dass braucht kein Mensch oder das ist irgendwie uns zu teuer und das wollen wir uns halt nicht mehr... Darum ist es gerade so wichtig, wer hat eben Zeit sich zu engagieren auch im Verein kommunalpolitisch weil das dann am Ende auch dazu führt.

00:26:00: Wer sitzt an dem Bundestag und kann da die Politik mitbestimmen?

00:26:05: In diesem Sinne wären wir dann am ende der heutigen Folge.

00:26:07: ich bedanke mich für das Gespräch bei Bettina Kohlrausch und Yvonne Lott.

00:26:11: danke ihr beiden Danke dir Vielen Dank.

00:26:42: Das war Systemrelevant.

00:26:44: Fakten für eine demokratische und

00:26:46: nachhaltige Wirtschaft!

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