Wie rechtsextreme Akteure Einfluss in Betrieben gewinnen wollen

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00:00:03: Systemrelevant.

00:00:04: Fakten für eine demokratische und nachhaltige

00:00:07: Wirtschaft.

00:00:13: So ist es.

00:00:23: Gewerkschaftliche Schaltjahr ist

00:00:33: ein schöner Begriff.

00:00:34: Das habe ich sehr so noch gar nie gehört.

00:00:37: Ja, es ist gewerkschaftliche Schaltjahr.

00:00:39: Die Betriebsratswahlen stehen an dem Frühjahr.

00:00:41: Und wir sehen das jetzt auch schon.

00:00:42: die Auftaktveranstaltungen für den Wahlkampf losgehen.

00:00:45: Das ist ja so ein Phänomen, das sieht sich über mehrere Monate hin.

00:00:49: Genau, von März bis Mai.

00:00:51: Das war Christina Schildmann, Leiterin der Forschungsförderung in der Hans-Böckler-Stiftung und heute ebenfalls mit dabei, Daphne Weber.

00:00:57: Hallo, Daphne.

00:00:58: Moin, moin.

00:00:59: Du wurdest Ende-Zwanzig-Vier-Zwanzig an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit über strategische Kommunikation in politischen Mobilisierungen promoviert.

00:01:08: Du forscht zur Kommunikation in Szenierungstechniken und Medienpraktiken an sozialen Bewegungen.

00:01:14: Und im November-Zwanzig-Vier-Zwanzig ist dein Buch erschienen.

00:01:17: Politik der Parole.

00:01:18: Ästhetische Praktiken politischer Mobilisierung bei... Campus und an unsere Hörerinnen und Hörer vorweg wie immer der Hinweis, dass ihr uns erreichen könnt per E-Mail an systemrelevantitböckler.de.

00:01:29: Also Hinweise, Korrekturen, Unmut, Anregungen, was euch auf der Leber brennt, bitte sendet es uns.

00:01:34: In den Show Notes findet ihr die Liste der sozialen Netzwerke sowie unseren weiteren Podcast, derer haben wir zwei.

00:01:40: Und wir freuen uns natürlich sehr, wenn ihr uns beim Podcast abonniert und somit keine Folge verpasst.

00:01:46: Heute wird es mal wieder politisch, also so richtig politisch könnte man fast sagen, denn wir besprechen die Studie gewerkschaftliche Kampagnen von rechts.

00:01:57: Was genau ist denn die Idee der Studie?

00:01:59: Worum geht es?

00:02:00: Ja, die Studie, die von der Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegeben wurde bei mir.

00:02:04: Vielen Dank nochmal für die Förderung, sodass ich Zeit hatte, diese Studie zu unter... beschäftigt sich damit, wie die extreme Rechte auf Betriebsebene agiert.

00:02:15: Und da habe ich einen Fokus gewählt, und zwar das Zentrum.

00:02:19: Vorher war es bekannt unter dem Namen Zentrum Automobil.

00:02:22: Also da sieht man schon am Namen hauptsächlich in der Automobilbranche unterwegs.

00:02:27: Und ich habe mir angeschaut, wie die im Betrieb arbeiten, welche Narrative sie setzen, welche Inszenierungstechniken sie anwenden, welche Themen sie bearbeiten.

00:02:37: Und daraus ergibt sich eben so ein wie die extreme Rechte, die wir jetzt ja vor allem aus Parteien wie der AfD oder auch ihrem publizistischen Vorfeld kennen auf Betriebsebene agiert.

00:02:47: Und ich kann schon mal vorwegnehmen, es gibt sehr enge Verbindungen zwischen dem extremen rechten Zentrum und der AfD, wie auch der sogenannten neuen Rechten, um verschiedene Figuren, auf die wir sicher später noch kommen, werden im Falle auf dieser Unterhaltung.

00:03:07: Die Idee

00:03:09: waren die Betriebsratswahlen, die du ja auch ganz schon erwähnt hast, das gewerkschaftliche Schaltjahr.

00:03:14: Diese Betriebsratswahlen stehen ja unter einem ganz besonderen Stern.

00:03:17: Man könnte sagen unter dem Stern der stotternden Transformation und der Standortverlagerungen oder Standortverlagerungsankündigungen und eben auch der zunehmenden Verunsicherung der Beschäftigten in der Industrie.

00:03:30: Und wir sehen oder wir gehen davon aus, vermuten sehr stark, dass bei den Betriebsratswahlen in diesen Jahren auch einige rechtspopulistische oder extremen Rechte, Kandidaten, Kandidatinnen antreten werden.

00:03:44: Das ist jetzt nicht ganz neu, also die gab es schon auch früher, aber wir vermuten, dass das verstärkt der Fall sein wird.

00:03:49: Deswegen war es für uns wichtig, dass wir uns einfach schon im Vorfeld und den Akteuren der Mitbestimmung im Vorfeld die Möglichkeit geben, sich vorzubereiten zu verstehen, was kommt denn da eigentlich auf sie zu?

00:04:00: Was werden die Felder der Auseinandersetzung sein?

00:04:02: Wie wird der Wahlkampf dieser rechtsextremen, rechtspopulistischen Kandidaten aussehen?

00:04:07: Wir hatten tatsächlich dazu bisher keine Forschung, obwohl man sich denken könnte, dass es doch eigentlich eine spannende Frage ist.

00:04:13: Also wir wissen relativ viel über die Einstellungsmuster von Beschäftigten zur Demokratie und unter welchen Umständen sie rechtspopulistischen Parteien.

00:04:22: zuneigen.

00:04:23: Das heißt, wir wissen relativ viel über die Nachfrageseite, aber wir wissen oder wussten bisher nicht so viel über die Angebotsseite.

00:04:29: Also mit welchen Themen, welchen Argumenten, welchen Strategien, welcher Ästhetik treten diese Rechtspopulisten und neuen Rechten hier in diese Betriebsratswahlen ein.

00:04:39: Und wir werden sie versuchen, da zu punkten.

00:04:41: Das ist für uns wichtig für die Vorbereitung auf diese Betriebsratswahlen.

00:04:46: Und wir denken, also zum einen ist es natürlich auch spannend für diejenigen, die sich mit Demokratietheorie beschäftigen.

00:04:53: Aber das ist nicht die Hauptzielgruppe.

00:04:55: Besonders gedacht ist diese Studie für die Praktikerinnen und Praktika, die einfach... damit arbeiten können, es hilft ihnen dabei, Rechtsextreme Listen überhaupt zu erkennen, die Narrative zu verstehen und die Strategien zu verstehen und eben auf dieser Basis dann auch gegen Strategien zu entwickeln.

00:05:13: So die Betriebsratswahlen liegen ja dann quasi im Betriebsrat auf vier Jahre fest.

00:05:17: Das ist ja ein recht langer Zeitraum, wie ja auch in der Politik.

00:05:21: Also das ist schon etwas, was dann wirklich... lange reinwirkt in dem Betrieb und eine entsprechende Auswirkung auch haben könnte.

00:05:30: Deswegen ist es nicht ganz unwichtig.

00:05:31: Ja, absolut.

00:05:32: Und vor allen Betriebsräte spielen ja auch eine wichtige Rolle in dieser ganzen Debatte um die sozial-ökologische Transformation.

00:05:39: Und wenn da verstärkt Rechtspopulisten, Rechtsextreme sitzen, werden die versuchen das Rad zurückzudrehen und überall Sand ins Getriebe streuen.

00:05:47: Und das wird auch ökonomisch ein Problem sein.

00:05:49: Also für die Belegschaften wird es ein Problem sein, weil die haben dann Menschen, die Sie nach sehr, sehr fragwürdigen Kriterien vertreten und, wie gesagt, ökonomisch könnte das auch ein ziemliches Problem werden.

00:06:01: So, Daphne, dann kommen wir mal zu diesem Zentrum, das sich wohl mal Zentrum Automobil nannte.

00:06:07: Die bezeichnen sich irgendwie selber als alternative Gewerkschaft.

00:06:11: Also ist da eine gewisse Realität drin?

00:06:12: Ist das eine Gewerkschaft?

00:06:13: Dürfen die das überhaupt?

00:06:14: Oder ist das einfach so erfunden?

00:06:16: Ja, genau.

00:06:17: Alternative Gewerkschaft ist eine Selbstbezeichnung.

00:06:19: Da hört man wahrscheinlich schon die Anklänge, dass man durchaus da auch mit der AfD sympathisiert, eben diesen alternative Begriff sozusagen sich auch anzueignen.

00:06:30: Es ist ja eigentlich ein sehr wichtiges Schlagwort.

00:06:32: Ja, es kann auch anders gehen.

00:06:33: Es gibt andere Möglichkeiten.

00:06:35: Also da sehen wir bereits im Schlagwort eine Nähe zu AfD.

00:06:39: Grundsätzlich ist es ja so, wir haben ja die Koalitionsfreiheit, die im Grundgesetz garantiert ist.

00:06:44: Also man darf sich zu... Interessensvertretungen von Beschäftigten zusammenschließen.

00:06:49: Allerdings habe ich in der Studie eher jetzt von einer gewerkschaftlichen Initiative gesprochen, und zwar aus verschiedenen Gründen, um einfach auch einen Unterschied deutlich zu machen, zu besonders in der Branche der IG Metall, die ja einfach eine sehr starke Interessensvertretung ist.

00:07:05: Die Mehrheit der Beschäftigten vertritt eine sehr starke betriebliche Verankerung auf, weil es Zentrum macht vor allem eine Art der betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen.

00:07:15: Natürlich kandidieren sie auch mit ihrer Liste, wollen Betriebsratsmandate erreichen.

00:07:20: Das gelingt ihnen auch zum Teil, zum Teil aber auch nicht.

00:07:23: Also, man kann jetzt nicht davon ausgehen, dass die Ansatzweise in eine Mehrheit, z.B.

00:07:28: in einzelnen Betriebsräten kommen.

00:07:30: Also, das ist immer noch relativ klein.

00:07:33: Die Ege Metall hat absolute Mehrheiten.

00:07:35: Da muss man auch so ein bisschen die Kirche im Dorf lassen.

00:07:38: Also, gegen die Macht der Ege Metall kommt man da auch schwer an.

00:07:41: Sie machen natürlich keine Tarifabschlüsse.

00:07:44: sind keine besonders wirkmächtige Vertretung von Interessen vieler Beschäftigter und deshalb habe ich mich entschieden, eher von einer gewerkschaftlichen Initiative zu sprechen, wobei sie natürlich schon auch sozusagen sich als Gewerkschafter bezeichnen und gewerkschaftliche Arbeit machen wollen, das aber sozusagen in den Gremien, Sitzungen und so weiter sich... auch eher, wie ich gehört habe, weniger sozusagen hervortun und einbringen, sondern vor allem eben diese Öffentlichkeitsarbeit machen, Strategien der Öffentlichkeitsarbeit fahren.

00:08:17: Also da gibt es einen gewissen Widerspruch zwischen dem, was sie real in der Praxis leisten für die Beschäftigten und dem, wie sie sich in den Betrieb hinein und nach außen darstellen.

00:08:27: Und vielleicht noch mal ein anderer Punkt.

00:08:28: Ich habe mich auch gefragt, also wieso bezeichnen die sich überhaupt als Gewerkschaft und was unterscheidet sie aber dann doch von einer Gewerkschaft?

00:08:35: und eine Definition ist ja, die hat das du auch gerade schon genannt darf, ist das Zentrum tariffähig.

00:08:40: Ist es in der Lage, Arbeitskämpfe durchzuführen, Tarifverhandlungen zu führen, Tarifvereinbarungen abzuschließen, denn das würde ja die Gewerkschaft ausmachen, das sind sie aber nicht.

00:08:49: Und ich würde sagen, sie sind es deswegen nicht, weil sie überhaupt keine Mitglieder haben.

00:08:52: Oder hast du mal raus, hast du irgendwo gefunden, wie viele Mitglieder die haben?

00:08:56: Die IG Metall hat zwei Komma drei Millionen Mitglieder ungefähr.

00:08:59: Zum Zentrum gibt es überhaupt keine Angaben.

00:09:01: Vielleicht haben die einfach überhaupt gar keine Mitglieder.

00:09:03: Also wenn dann sehr we... Dann bewegt es sich wirklich in einem sehr geringen Bereich.

00:09:08: Also wie gesagt, den Anspruch, den Sie nach außen machen, der wird überhaupt nicht untersetzt mit einer realen, zahlenmäßigen Stärke oder betrieblichen Verankerung.

00:09:18: Aber Sie sind eine Kampagnenmaschine, ne?

00:09:20: Das können wir gucken uns ja gleich nochmal an.

00:09:22: Ja, genau.

00:09:23: Sind die denn schon mal irgendwo angetreten?

00:09:26: Also weiß man, du hast gerade schon erwähnt, dass sie jetzt nicht so stark sind.

00:09:30: Also hat man da tieferen Einblick.

00:09:33: Also, sie haben angefangen in der Automobilindustrie, versuchen aber auch in andere Bereiche vorzustoßen.

00:09:40: Da kommen wir vielleicht später noch mal darauf zurück.

00:09:42: Und es beginnt alles, im Märze des Benzwerk unter Türkeim, und zwar mit einer Person namens Oliver Hilburger.

00:09:50: Der ist auch so was wie der Kopf von Zentrum, der sozusagen organische Intellektuelle, kann man sagen, also er ist involviert darin eben sozusagen die Stoßrichtung vorzugt.

00:10:02: geben.

00:10:03: Und er ist auch die Person, die man auf Videos und so weiter am meisten sieht.

00:10:07: Er ordnet das meiste ein.

00:10:09: Er ist auch ein relativ talentierter Rhetoriker, kommt eigentlich ganz vernünftig und sympathisch rüber.

00:10:15: Und er war bis zu seinem Ausschluss in der CGM, also in der christlichen Gewerkschaft Metall.

00:10:22: Und er ist dort rausgeflogen, weil er schon damals Verbindungen in die extreme Rechte hatte.

00:10:29: Er war zum Beispiel Gitarist der Rechtsrockband.

00:10:32: neue Werte.

00:10:33: Und war in rechtsextreme Umtriebe involviert.

00:10:36: Und in den letzten Jahren sind sie dann angetreten, bei Mercedes-Benz unter Türkeim.

00:10:40: Und haben zwei Mandate geholt.

00:10:42: In den letzten Jahren waren es vier, in den letzten Jahren waren es sechs.

00:10:46: Und in den letzten Jahren waren es sieben.

00:10:47: Also es hat sich dort kontinuierlich weiterentwickelt.

00:10:51: Es gibt auch weitere Betriebe, wo sie dann in den letzten Jahren in den letzten Jahren geschafft haben, reinzukommen.

00:10:56: Bei Porsche Leipzig oder in Raststadt.

00:10:58: Das bewegt sich aber in so einem zahlen Bereich von ... zwei bis drei, also so relativ wenige Mandate.

00:11:04: Und manchmal gibt es auch Verbindungen zu anderen Listen, die sich dann zum Beispiel Interessengemeinschaft, Beruf und Familie nennen, also die gar nicht Zentrum heißen, aber trotzdem Verbindungen zu Zentrum haben.

00:11:16: Das ist dann natürlich immer so ein bisschen schwer dann auch vorherzusehen.

00:11:20: Es werden ja immer mehrere Listen schon eingereicht zu Betriebsratswahlen.

00:11:24: Welche hängen jetzt mit Zentrum zusammen?

00:11:26: Welche kennen sich untereinander und welche nicht?

00:11:28: Weil man natürlich auch unter anderem Namen antreten kann.

00:11:32: und ja so hat das sozusagen alles begonnen.

00:11:35: Wie politisch ist denn das Ganze?

00:11:37: Also, geht es denen da mehr um den Betrieb oder mehr um die Politik?

00:11:40: Das ist eine sehr gute Frage, weil das so eine Mischung ist, würde ich sagen.

00:11:45: Und es gibt auch durchaus Doppelstrategien, die Sie quasi parallel fahren.

00:11:49: Also, wenn wir uns die Betriebsratswahlkampagne von zwei Tausend Achtzehn anschauen, dann sieht die völlig anders aus als die von zwanzig zweiundzwanzig.

00:11:59: jetzt mit Blick auf Untertürkheim und auch dem, was drum herum gelaufen ist.

00:12:04: lässt sich beobachten, dass das noch sehr stark im Umfeld der neuen Rechten angesiedelt ist.

00:12:09: Auch vom Layout von der ganzen Bildsprache, von der Farbgebung, das erinnert sehr an identitäre Bewegung.

00:12:17: Die identitäre Bewegung, die so genannt ist, ist eigentlich auch keine richtig große Bewegung, sondern auch eher so eine Initiative.

00:12:24: Die haben immer so gelb-schwarz und deren Bildestätik ist so einerseits heroisch, andererseits auch ein bisschen bedrohlich.

00:12:31: Und das wurde dann dann... also überführt in Zentrum Automobil damals noch.

00:12:37: Und da war sehr deutlich, wer eigentlich hinter dieser Kampagne gesteckt hat.

00:12:40: Da war auch der Verein ein Prozent dabei.

00:12:43: Ein Prozent.

00:12:44: der Vorsitzende dieses Vereins ist ein gewisser Philipp Stein, der betreibt auch den Jung-Europa-Verlag.

00:12:49: Das ist ein extrem rechter Verlag, wo sehr rechte Autoren verlegt werden aus dem Umfeld von dem Institut für Staatspolitik, das bis zum Jahr zwanzig vierundzwanzig bestand.

00:12:59: Ja, Götz Kubicek, so diese Bubble und die hatten ... eine ganze Reihe von Leuten, die belegt und mutmaßlich dahinterzentrum agiert haben.

00:13:08: Damals haben sie auch eine Betriebszeitung, also es war eigentlich gar keine Betriebszeitung, eine Art Kampagnenzeitung rausgebracht, die aber vor allem dann auch im Pegida-Umfeld verteilt wurde und die so sehr abstraktpolitische Themen aus extremen Rechtersicht bearbeitet.

00:13:24: Autoren in diesem Blatt waren dann beispielsweise Björn Höcke oder Jürgen Ellsesser, der Chefredakteur der extremen Rech- Zeitschrift kompakt und da wird das so eher abstrakt sozusagen gegen Gewerkschaften, gegen die DGB Gewerkschaften abgehoben und dass sie eben quasi die Arbeiter eigentlich nicht mehr vertreten würden und deshalb die Arbeiter jetzt bitte zur AfD kommen sollen, weil da noch eine richtige Arbeitervertretung stattfinden würde.

00:13:50: Also so schreibt diese Zeitschrift, die Kampagnenzeitung.

00:13:55: Und dann gibt es aber gleichzeitig auch eine Betriebszeitung in Untertürkeim, die ganz andere Themen setzt, die versucht eher Themen aus dem Betriebsalltag aufzugreifen und die sozusagen auch nicht so, na ja, offensichtlich extrem rechts in der Sprache agiert.

00:14:13: Wenn man das mit Beispiel auf die Corona-Pandemie anschaut, dann ist quasi in dieser Betriebszeitung wird dann eigentlich eher so, werden ja Widersprüchlichkeiten, die in diesen Corona-Pandemie-Regeln waren, die uns allen ja auch aufgefallen sind, irgendwie ja, Leute sind im Homeoffice, aber was ... macht man eigentlich mit denen, die gar nicht ins Homeoffice können.

00:14:32: Die haben dann irgendwie keinen Schutz, da wird dann nicht drauf geachtet oder Spielplätze dürfen nicht benutzt werden, aber in den Fabriken stehen die Leute eng zusammen.

00:14:41: Also sie versuchen dann auf diese Widersprüche abzuziehen und quasi bei Leuten eigentlich so am Alltagsverstand anzudocken und sagen, guck mal, das ist doch alles total absurd.

00:14:50: Und dann auf YouTube, wo es sich quasi eine breitere politische Öffentlichkeit auch richten kann, wird dann plötzlich was von Generalstreik geredet.

00:14:59: was sie aber in der Betriebszeitung nicht gemacht haben.

00:15:02: Das war dann während der Corona-Pandemie.

00:15:04: Also sie fahren quasi verschiedene Linien in der Ansprache und orientieren damit auch auf verschiedene Zielgruppen.

00:15:13: Aber eben immer eine Linie, die angedockt ist an die extreme Rechte und auch an extrem rechte Sprache, Schlagwörter und so weiter.

00:15:22: Sieht ja schon recht eindeutig.

00:15:24: Was versprechen die denn so, den Arbeiten?

00:15:27: Ja, also Thema... gesehen, wurde ja von Christina schon erwähnt, dass Transformation jetzt kein Wort ist, was sie selbst verwenden, also was wir vielleicht unter sozial-ökologischer Transformation bezeichnen, dass eben ein gewisser Umbau der Industrie erfolgen muss, um eben das Klima zu retten, den Planeten zu retten, der gleichzeitig aber natürlich auch für einen sozialen Ausgleich sorgen muss, der sozial abfedern muss.

00:15:52: Das ist etwas, was sie zum Beispiel als Problem gar nicht anerkennen, weil die Klimakrise nicht existiert in dem Sinne.

00:16:00: Und gleichzeitig existiert sie natürlich schon als Rahmenbedingungen, von der sie massiv profitieren, weil das Paradox ist, ja, und das habe ich mir nochmal angeguckt und finde wirklich abstrus.

00:16:10: Sie profitieren von zwei Sachen gleichzeitig.

00:16:13: Zum einen, dass der Umbau der Industrie in Richtung Klimaneutralität, der ja nötig ist, um die Klimaziele zu erreichen, dass der gerade stockt, das zum einen.

00:16:21: Und aber auch gleichzeitig, also, dass sowohl dieser Umbau vor Unsicherung als auch bei den Beschäftigten als auch das Stocken.

00:16:30: Und in diesem Limbus agieren die jetzt nun und leugnen überhaupt die Klimakrise oder versuchen zu sagen, das ist alles irgendwie nur eine große Verschwörung des Managements mit den Gewerkschaften und Eliten.

00:16:41: Leute, ihr werdet hier im Grunde über den Tisch gezogen.

00:16:43: Das ist ja das, was sie machen.

00:16:45: Und insofern ist die Klimakrise eine wichtige Folie für ihr agieren.

00:16:49: Aber sie würden niemals Transformation sagen in der Tat.

00:16:52: Genau, genau.

00:16:53: Auf jeden Fall.

00:16:54: Also Klimakrise als Problem.

00:16:56: wird quasi einfach verneint.

00:16:58: Und dann spricht man quasi, Gegner ist zum Beispiel Elektromobilität.

00:17:02: Da sagen sie dann einfach, das ist doch ein kompletter Irrweg, das ist Quatsch, da werden hier Arbeitsplätze abgebaut und Schuld ist die IG Metall beispielsweise.

00:17:10: Also so funktioniert dann quasi ein Narrativ, das sie haben.

00:17:14: Und das ist natürlich nicht adäquat, um auf die Herausforderungen zu antworten, vor denen die Industrie und unsere Gesellschaft real stehen.

00:17:22: Und haben Sie damit Erfolg?

00:17:23: Also sieht man, dass diese Themen da verfangen?

00:17:27: Nun ja, also gemessen an der betrieblichen Verankerung, die Sie bis jetzt haben, würde ich sagen, das ist jetzt kein großer Durchbruch.

00:17:35: Aber wir finden ja ganz ähnliche Erzählungen auch bei der AfD, die ja sozusagen auch oft das Klimathema oder das Transformationsthema so abheben, dass sie sagen, das ist alles Hysterie.

00:17:46: Klimahysterie in Anführungszeichen sind auch Wörter, die die Zentrum verwendet.

00:17:51: Und dann einfach sagen, wir dürfen diese Klimahysterie, der dürfen wir nicht folgen, sondern hier müssen wir den Industriestandort Deutschland sozusagen sichern, Arbeitsplätze und so weiter.

00:18:02: Und das kann natürlich schon verfangen, weil es eine tiefe Verunsicherung gibt über Kündigungen und das Standorte abgebaut und verlagert werden.

00:18:11: Genau und umgekehrt ist es ja ein wichtiger Teil der AfD-Strategie in die Betriebe reinzukommen.

00:18:17: Also das sieht man an der Strategiedebatte, die die die AfD geführt hat.

00:18:22: Im vergangenen Sommer hat die AfD-Bundestagsfraktion ein Ideenpapier rausgegeben zum Strategieprozess und haben da ihre Stammzielgruppen formuliert, das sind Arbeiter.

00:18:33: Neben ostdeutschen Bürgern haben sie geschrieben in Dörfern und kleinen Städten, Russlanddeutsche, junge Männern.

00:18:38: Das sind die Stammzielgruppen und sie wollen da jetzt diese Gruppen binden.

00:18:43: Das ist ein starkes Ziel und Ausschöpfen der Potenziale in diesen Gruppen.

00:18:47: Und dafür müssen sie sozusagen den Shopfloor... erobern oder die Werkkantine und das Bürom.

00:18:52: Das ist eben Teil dieser Strategie, die neu rechte Theoretiker Metapolitik nannten.

00:18:58: Daphne hat es paar Mal auch schon so ein bisschen darauf angespielt.

00:19:01: Und also Metapolitik bedeutet kulturelle Hegemonie.

00:19:04: Das heißt für die AfD dann, dass ihre Themen, ihre Thesen überall im Alltag verankert

00:19:09: werden sollen.

00:19:10: In Sportvereinen, in Schulen, in Kitas, in Jugendlubs und natürlich immer auch im Betrieb.

00:19:16: Das ist so eine Technik, die sie sich von links abguckt hat.

00:19:19: genau genommen von Gramm schieben.

00:19:22: Wir haben dazu eine eigene Podcast-Folge gemacht vor fast genau einem Jahr, habe ich gesehen.

00:19:26: Die heißt die AfD mag keine Arbeit nehmen und da geht es um die sozialpolitische Doktrien der neuen Rechten.

00:19:32: Die Studie heißt eben auch so die sozialpolitische Doktrien der neuen Rechten, strategische Vereinahmung und kalkulierte Provokation.

00:19:40: Kann man sich gleich noch mal anhören.

00:19:42: Und da wird dieses Versprechen an die Arbeit, die Arbeiter auch nochmal sehr deutlich aufgespießt.

00:19:48: So dieses Story schaut, wir machen Politik für euch gegen die da oben.

00:19:52: Wir sind eure echten Anwälte.

00:19:53: Das ist die Geschichte, die sie erzählen.

00:19:55: und sie sagen, dass sie auch Marx lesen, nur dass in ihrer Welt beschreibung lustigerweise nie der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit vorkommt, sondern es geht eigentlich immer nur entweder gegen die etablierten Gewerkschaften in Anführungsstrichen oder gegen die Migrantinnen und Migranten.

00:20:10: Genau.

00:20:11: Oder irgendwelche dubiosen Eliten, die nicht näher definiert werden, die aber zum Beispiel in der Bildsprache bei Zentrum dann oft dargestellt werden.

00:20:19: Es gibt ein Video, wo das vorkommt, da ist eine DGB Flagge, eine IG Metall Flagge und eine Regenbogen Flagge.

00:20:27: Und die symbolisieren dann quasi sozusagen das Oben gegen das man vorgibt, sich zu richten.

00:20:33: dass ein irgendwie bevormundet umerziehen will und...

00:20:37: Genau, genau.

00:20:38: Ja, ich habe ja manchmal das Gefühl, die AfD will mich umerziehen.

00:20:44: Ich weiß nicht, Parker, ob du wirklich die Zielgruppe bist.

00:20:46: Wobei, wer weiß?

00:20:48: Na, ich glaube ja, dass immer alle die Zielgruppe sind, aber nicht bei allen verfängt.

00:20:52: Aber ist das dann auch eines der Bestrebungen, ich will es nicht sagen, von der AfD bei den Betriebswahlen mitzumischen, weil offiziell ist ja nicht drin, aber man könnte das ja schon so deuten bei den ganzen politischen Vermischungen, Christina, oder?

00:21:05: Ja, also wie gesagt, es ist für die AfD Strategie, es ist total zentral, einen Fuß in die Betriebe reinzukriegen und eben in diesem politischen Vorraum verankert zu sein und auch... die Realitäten dort zu deuten, also die Wirtschaftskrise zu deuten.

00:21:21: Da ist es wichtig, dass eben diese Deutungsarbeit auch auf der betrieblichen Ebene passiert und damit erzeugt man einfach Resonanz in der Bevölkerung und verankert sich

00:21:31: da.

00:21:31: Gleichzeitig werden so AfD-Listen, also dezidierte AfD-Listen, nicht gemacht.

00:21:37: Es gibt ein Buch von Benedikt Kaiser, der auch in dem Umfeld von Institut für Staatspolitik, Götz Kubicek und so weiter sich herumtreibt und auch in der Kampagnenzeitung von den Betriebsratswahlen, ein Artikel gegen den Raubtierkapitalismus, Zitat, geschrieben hat.

00:21:55: Dieses Buch ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist, es ist.

00:22:15: angesprochen hat, dann im Betrieb sozusagen zu verankern und quasi nicht nur diskursiv, sondern da auch eine reale Verankerung, eine Streikmacht im Grunde unter den Beschäftigten zu erzielen und das dann wegzuziehen von den DGB-Gewerkschaften.

00:22:31: Der von die erwähnte Neurechte-Theoretiker Benedikt Kaiser spielt auch eine sehr, sehr große Rolle in dem Podcast, den wir zu der Diskurspiraterie der neuen Rechten gemacht haben, also wo die sich diese linken Theorie-Stücke vereinnahmen und umdeuten.

00:22:43: Da ist Benedikt Kaiser einer der Protagonisten.

00:22:46: Der ist ein Kleptomaner auf jeden Fall von bei links, ja.

00:22:51: Sie haben gleichwohl auch, also nicht nur theoretische, sondern persönliche Verbindungen auch in die AfD.

00:22:56: Also es ist belegt, dass Hilburger der Kopf von Zentrum Besuche gemacht hat bei Matthias Helferich.

00:23:02: Kurze Fußnote.

00:23:04: Matthias Helferich bezeichnet sich selbst als freundliches Gesicht des NS.

00:23:08: Letzte Legislatur war er nicht Mitglied der AfD-Fraktion im Bundestag in dieser jetzt schon, weil er sogar der AfD zu Recht zwar Peter Bistron, also sie haben wirklich aktive Kontakte.

00:23:20: in den sehr rechten Flügel der AfD.

00:23:23: Und es gab auch jetzt im letzten Wahlkampf, jetzt im fünfundzwanzig, Unterstützung für zum Beispiel Christina Baum, Wahlkampfunterstützung.

00:23:30: Das ist eine wichtige Vertraute von Björn Höcke beispielsweise.

00:23:34: Also es gibt wirklich enge Verbindungen in den rechten Flügel der AfD und auch zu neuen Rechten.

00:23:39: Der Hilburger war auch schon bei Kompaktkonferenzen dabei und hat dort Videos aufgenommen und quasi gesagt Kompakt ist alles super.

00:23:47: Also da wird ein enger Austausch gepflegt.

00:23:50: Du hast ja auch die Ästhetik und die Methoden der Kampagnen angeguckt.

00:23:54: Ich wollte jetzt so ein bisschen meine Frage Richtung falscher Flagge setzen, aber am Grund hast du es ja gerade schon beantwortet und gesagt, das ist ja schon alles sehr direkt in diese Ecke rein.

00:24:04: Aber gibt es denn da Auffälligkeiten bei den Methoden, die sie einsetzen und auch bei der Ästhetik vielleicht?

00:24:11: Ja, schon.

00:24:11: Also es werden eben verschiedene Stränge verfolgt.

00:24:15: Wir sehen auch eine Entwicklung.

00:24:19: düstere Ästhetik, gelb auf schwarz, das erinnerte stark an die sogenannte identitäre Bewegung, so vom Look.

00:24:26: Die Kampagnenzeitung hat so mit Begriffen wie Wände gearbeitet, das wurde eher im Pegida-Milieu verteilt, als statt konkret im Betrieb.

00:24:34: Und in den Betriebsratswahlen hat man dann eher das jetzige Design gesehen, grün und weiß, ein frischeres, moderneres Design, das sich aber auch klar vom Rot der Iggy-Metall abhebt.

00:24:46: Wenn man so sich vorstellt, man hat so ein Brett, Betrieb und da hängt man dann quasi Ankündigungen und Plakate auf, dass es sozusagen nicht so aussieht, als wäre das ein weiteres Plakat der IG Metall, also dass man quasi auch im Look einen Unterschied macht.

00:25:00: und sie haben das korrespondiert mit einer anderen Outreach-Strategie, also quasi neue Zielgruppen zu erschließen.

00:25:06: Sie haben Videos dann verstärkt produziert, zwanzig, zweiundzwanzig, die zum Beispiel in so einem erklärenden Gestus über Betriebsräte informieren und das Gewer... also die eher so sehr sachlich arbeiten.

00:25:22: Das heißt, wenn jetzt jemand sich informiert bei YouTube eingibt, hier Betriebsratswahlen und so weiter und stößt dann auf so ein Video, dann hat der Betrachter erst mal den Eindruck, dass es sich hier um ein sehr neutrales Informationsvideo handelt.

00:25:35: Natürlich gibt es dann Hinweise.

00:25:36: Also, wenn dann Gewerkschaft steht, ist quasi immer das Logo von Zentrum dann in dieser Animation in dem Film.

00:25:42: Also, es wird quasi schon eingeführt, ja, Gewerkschaft gleich Zentrum.

00:25:47: und nicht die anderen.

00:25:48: Also es transportiert natürlich durch diesen Neutralitäts- und Erklär-Gestus unterschwellig trotzdem die Propaganda, dass hier Zentrum sozusagen die einzig wahre Interessenvertretung der Beschäftigten ist.

00:26:00: Und durch diese sachliche Information, die aber auch Teil dieser Filmchen ist, können eben dann auch beiläufig neue Zielgruppen erschlossen werden.

00:26:08: Und daneben gab es noch Kampagnenfilme, die stark mit persönlichen Geschichten gearbeitet haben, zum Beispiel wie Menschen im Betrieb geholfen wurde.

00:26:16: Und diese Menschen waren auch, die Kollegen waren direkt auch vor der Kamera, haben erzählt, was passiert ist.

00:26:21: Das heißt, sie waren dann relativ authentische Testimonials auch für Zentrum.

00:26:26: Und über diese persönlichen Geschichten wird dann natürlich auch die Emotion des Betrachters ganz anders mobilisiert und angefasst.

00:26:33: Ja, das waren so zum Beispiel zwei Stränge, die während der Betriebsratswahlen, zwanzig, zwanzig, die sie da verfolgt haben, also eine persönliche Nähe nochmal anders ästhetisch herzustellen und quasi... über so eine Aufklärung oder Pseudoaufklärung nochmal andere Zielgruppen zu erschließen.

00:26:51: Und das kommt quasi dieser Selbstbehauptung entgegen.

00:26:53: Wir haben hier ein kümmerer Image.

00:26:55: Wir sind nah bei den Beschäftigten und dann immer vor der Kontrastfolie, die gemetall sei das nicht.

00:27:02: Ja, Christine, was machen denn die Gewerkschaften jetzt damit?

00:27:05: oder was sollen sie denn damit machen?

00:27:06: Gibt es da Handlungsbedarf oder ist das noch zu klein, um überhaupt darauf zu reagieren?

00:27:11: Handlungsbedarf gibt es immer und Gewerkschaften haben sich auch schon darauf eingestellt.

00:27:15: Was sie aus meiner Sicht definitiv richtig machen ist, dass sie sich entschieden haben, die Social Media Plattform, TikTok etc.

00:27:23: nicht der AfD und ihrem Umfeld zu überlassen, sondern dass selber auch sehr präsent zu sein und auch ganz konkrete Erfolgsgeschichten zu erzielen.

00:27:31: also personalisierte, echte Menschen sprechen zu lassen aus dem gewerkschaftlichen Kontext, die erzählen, was sie gemacht haben.

00:27:38: So, das ist was, was schon passiert und was, glaube ich, gut ist.

00:27:41: Ich erinnere mich an einen Satz, den die österreichische Politikwissenschaftlerin Natasha Strobel kürzlich gesagt hat.

00:27:47: In der Runde, sie sagt, Leute müssen die Erfahrung machen, dass es andere Leute gibt, die sich für sie einsetzen.

00:27:53: Und das zu zeigen in den Geschichten, in dem Storytelling, das könnte man vermutlich noch ein bisschen stärker machen.

00:28:00: machen.

00:28:00: Aber Daphne, vielleicht kannst du es aus der wissenschaftlichen Perspektive auch nochmal sagen, was du denkst, was das Erfolgsrezept sein könnte.

00:28:07: Für die Digi-Bege-Werkschaften?

00:28:09: Ja, genau für die Digi-Bege-Werkschaften und für die Betriebsratskandidatin und Kandidaten, die sich eben gegen diese Strategien zu wehrsetzen müssen und ja mit den umgehen müssen.

00:28:20: Vielleicht schiebe ich da auch nochmal vorweg, dass gemessen an den Umfragewerten der AfD, was ja sozusagen die korrespondierende Partei wäre, ist Zentrum und rechte Listen sind eher schwach.

00:28:32: Also es gibt keine flächendeckende, betriebliche Verankerung.

00:28:35: Die IG Metall ist immer noch die größte einzige Werkschaft der Welt mit enorm großen Ressourcen, mit einer enormen Streikmacht, mit einer enormen betrieblichen Verankerung.

00:28:43: Und dieses professionelle Jahrzehntelange Know-how und diese Macht-Ressourcen, die man sich aufgebaut hat, auch gegenüber den Arbeitgebern aufzutreten, die können nicht so einfach hergezaubert werden.

00:28:55: Da ist die IG Metall einfach krass aufgestellt.

00:28:57: Das darf man bei allem auch... nicht vergessen.

00:28:59: Aber wenn wir uns auf die Kommunikationsebene bewegen, vielleicht so dieser Satz, tue Gutes und rede darüber, also Erfolgsgeschichten zu erzählen, auch mit den Leuten aus den Betrieben zu arbeiten, die haben ja auch eine Stimme, die können erzählen, die haben Dinge erlebt.

00:29:16: und jede Tarifrunde, jeder Streik hält sozusagen solche Ermächtigungsgeschichten eigentlich bereit.

00:29:22: Da haben Menschen Verantwortung über Normen, die sind über sich hinausgewachsen, die haben zusammen was erreicht, Gemeinschaft.

00:29:28: sind gewachsen.

00:29:29: Das ist auch was, was Zentrum versucht, stark für sich zu reklamieren.

00:29:33: Bei uns ist eine Gemeinschaft gegen diese ganze Vereinzelung in der Gesellschaft, so, weil Menschen ja einen Gemeinschaftsbedürfnis haben.

00:29:40: Das funktioniert ja eigentlich in einer wirklich starken, großen Organisation wie der EGMETAL viel besser.

00:29:46: Leute stehen füreinander ein gegen die Ohnmacht und so weiter.

00:29:49: Das wird ja real erlebt in den Betrieben.

00:29:52: und das, was da sozusagen abgeht, während Betriebsratswahlen, während Tarif und so weiter, das kann sich noch viel stärker auf die Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit übertragen.

00:30:02: Also zusammengefasst ungefähr die in der Öffentlichkeitsarbeit mehr darüber zu sprechen, was man eigentlich tut als Gewerkschaft und welche Erfolge dabei rumkommen, welche Gemeinschaften wachsen und wie Solidarität quasi ganz praktisch miteinander geübt wird.

00:30:20: Also auch eine Konzentration vor allen Dingen auf sich selbst dabei, also nicht die anderen Großreden.

00:30:26: Genau.

00:30:27: Genau, nicht die anderen Großreden zeigen, was man selber erreicht hat mit echten Menschen, die eben auch wirklich dafür stehen und darüber ganz authentisch erzählen können.

00:30:37: Genau.

00:30:37: Und vielleicht im Umgang mit Leuten, die eine Affinität zur rechten Position haben, wurde ja maßgeblich von Hans-Jürgen Urbahn dieses Prinzip klare Kante bei offener Tür entwickelt.

00:30:49: Also es gibt natürlich eingefleischte Rechte wie Oliver Hilburger und Kot, mit denen muss man nicht diskutieren, weil die wird man nicht überzeugen.

00:30:57: Aber es gibt natürlich Leute, die sich auch als Verlierer der Transformationen begreifen, die Angst haben.

00:31:03: Ja, also es gibt ja sehr viel Forschung dazu, wie entstehen... eigentlich so ein, dass Arbeiter jetzt AfD wählen und dass selbst aktive Gewerkschafter AfD wählen und dass man quasi eine klare Kante bei den, bei den Positionen hat, da nicht jetzt plötzlich sagt, okay, man muss eigentlich rechte Positionen adaptieren, um die zu halten, aber dass man trotzdem eine offene Tür bereithält, dass Menschen auch sozusagen, wenn man mit denen diskutiert, diese rechten Positionen wieder verlassen können und auch wieder zurückkommen können sozusagen.

00:31:34: Vielen Dank für das Gespräch, Christina Schülkmann und Daphne Weber.

00:31:36: Vielen

00:31:37: Dank.

00:31:37: Ja,

00:31:38: vielen Dank.

00:31:40: Wenn ihr dazu noch ein paar Gedanken habt, dann sendet sie uns an systemrelevantadböckler.de.

00:31:45: Hinweise, Korrekturen, Unmut und Anregung bitte dort hin.

00:31:48: In den Show notes findet ihr die Liste der sozialen Netzwerke, sowie unsere weiteren Podcasts, der haben wir zwei und wir freuen uns natürlich sehr, wenn ihr uns in einem Podcastschirrerwahl abonniert und somit keine Folge verpasst.

00:31:59: Vielen Dank fürs Zuhören, euch eine schöne Zeit und bis nächste Woche.

00:32:01: Tschüss.

00:32:06: Das war systemrelevant.

00:32:08: Fakten für eine demokratische und nachhaltige Wirtschaft.

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